Rohkost – Gesunde Vielfalt Entdecken

Mit einer gesunden Ernährung helfen Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihrem Umfeld

von Daniel Ebbersmeyer



Faszination Schmecken

Der französische Schriftsteller und Gastrosoph Jean Anthelme Brillat-Savarin sagte einst die folgenden Worte: „Die Entdeckung einer neuen Speise fördert das Glück der Menschheit mehr als die Entdeckung eines neuen Sterns“. Diese Aussage ist vermutlich wahrer als man zuerst denken mag, denn unser Geschmackssinn, unsere gustatorische Wahrnehmung, hat evolutionär eine enorme Bedeutung. Bei allen Lebewesen erfüllt dieser Sinn eine Prüfungsfunktion potenzieller Nahrungsmittel. Wenn uns etwas nicht schmeckt, dann ist es im Regelfall auch nicht gesund für unseren Körper. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Spinat, den viele Kinder nicht mögen. Dies liegt vor allem an den Bitterstoffen, die im Spinat reichlich enthalten sind. Kinder nehmen diesen Geschmack noch besonders intensiv wahr, die Empfindlichkeit der Geschmackspapillen nimmt mit steigendem Alter ab. Zu bittere Lebensmittel mögen wir (und die Kinder) nicht, da dieser Geschmack uns typischerweise vor ungenießbaren Lebensmitteln warnt, wie z.B. vor unreifen oder giftigen Früchten. Gleichzeitig kann uns das Schmecken auch in wahre Ekstase versetzen. Jeder von uns hat ein persönliches Leibgericht und eine perfekt abgestimmte Mahlzeit bereitet uns im wahrsten Sinne des Wortes echte Gaumenfreuden. Nicht umsonst spricht man bei besonders gelungenen Gerichten von einer perfekten Komposition, als spielten die Zutaten in perfekter Harmonie zusammen wie die Instrumente einer Symphonie bei einem klassischen Konzert. Von einem klassischen Konzert wird man nur leider – wenn man mal vom Stressabbau absieht – nicht wirklich gesünder. Unsere Nahrung bietet uns hingegen eine klar definierte Wechselwirkung zwischen den Inhaltsstoffen und der Reaktion unseres Körpers.

Verarbeitet…

Nun hat sich der Mensch leider in den letzten Jahrzehnten in eine prekäre Lage gebracht. Unsere natürlichen Schutzreflexe beim Essen sind nicht ausgelegt auf eine so stark verarbeitete Kost, wie wir sie heute in den Supermärkten erhalten. Fast in jedem industriell gefertigten Lebensmittel ist reichlich Zucker enthalten, denn süßer Geschmack ist für uns evolutionär ein Zeichen für nährstoffreiche Kost, wie z.B. bei süßen Früchten. Der Zuckerzusatz ist eine einfache Methode, aus minderwertigen Zutaten eine geschmacklich anregende Kost herzustellen. Unser Geschmack wird durch die vielen künstlichen Geschmacksstoffe so stark überreizt, dass uns Essen schnell fad vorkommt, wenn es nicht mit Unmengen an Salz (oder Zucker) überwürzt ist. Das Resultat ist eine ungesunde Ernährung, die sich in vielen Zivilisationskrankheiten wie Adipositas und Diabetes äußert.

…und unverarbeitet

Die Rohkost ist wohl das genaue Gegenteil zur Industrienahrung. Hier werden vor allem frische oder natürlich (z.B. durch Kalttrocknung) haltbar gemachte Zutaten verwendet. Durch den Verzicht auf Hitze bei der Zubereitung bleiben dabei wesentlich mehr Nährstoffe erhalten, als bei gekochter Nahrung. Grund hierfür ist unter anderem die sogenannte Denaturierung von Proteinen bei erhöhten Temperaturen. Beim Fieber denaturieren zum Beispiel Proteine des Organismus, bei hohem Fieber von ca. 42°C können die Enzyme derart beeinflusst werden, dass eine Versorgung des Körpers nicht mehr in ausreichendem Maße möglich ist, was zu akuter Lebensgefahr führt. Ein weiterer Grund für den Vitaminverlust ist das Ausschwemmen von Vitaminen in das Kochwasser, welches nach der Zubereitung oftmals einfach weggegossen wird. Ein weiterer Vorteil der Rohkost ist folgender: Wer eine Zeit lang die Finger von Glutamat und Zucker lässt, dessen Geschmacksnerven regenerieren sich langsam, sodass Geschmäcker wieder intensiver wahrgenommen werden können.

Rohe Vielfalt

Oftmals wird man als Rohköstler nun mit dem Argument konfrontiert, dass das Kochen ein Teil der Kultur und ein schützenswertes Handwerk ist. Was die meisten Menschen allerdings nicht wissen: Rohkost ist weit mehr als nur Salat. Heute zaubern wahre Koryphäen der Rohkost einzigartige Gerichte. Es gibt herzhafte Gemüsepasta mit Soßen aller Art, ausgefeilte Rohkosttorten, die gebackenem Kuchen in nichts nachstehen, und sogar roh-veganes Brot mit dem passenden Aufstrich. Alles wird dabei aus gesunden und natürlichen Zutaten hergestellt. Die roh-vegane Zubereitungskultur ist etwas, das in jedem Falle einen höheren Bekanntheitsgrad verdient hat, Und so ist eines der Ziele der Rohvolution® , nicht nur roh-Veganer, Frutarier und Vegetarier anzusprechen, sondern auch die Liebhaber von Weißwurst mit Semmelknödeln von der Vielfalt der Rohkost zu begeistern.

Zeigen statt Mahnen

Gekochtes Essen ist in unserer Kultur so stark verankert, wie kaum etwas anderes. Die Grünen verloren einst drastisch an Umfragewerten, als sie den Vorschlag eines fleischfreien Wochentages zur Diskussion brachten. Dies lag vor allem an den natürlichen Verlustängsten des Menschen. Wenn man uns etwas wegnehmen will, verteidigen wir es oftmals um so intensiver. Es ist ein Fehler, den Anhänger alternativer Ernährungsformen oftmals begehen: Niemand wird aufhören zur nächsten Burger-Kette zu gehen, weil man ihn als Rindsmörder bezeichnet. Unsere Verlustängste sind meist stärker als alles andere, sogar stärker als unsere moralischen Wertvorstellungen oder unsere Vernunft. Wenn man Menschen von einer gesünderen Ernährung überzeugen möchte – sei es zum gesundheitlichen Wohl der Person oder aufgrund höherer Ziele (wie Umweltschutz) – muss man sich also die Ängste der Menschen vor Augen führen. Das Durchbrechen dieser Barrieren durch Moralisieren oder das Schüren von anderen Ängsten (z.B. Krankheiten) wird in den seltensten Fällen zum Erfolg führen. Wenn man sich jedoch hinter diese Barrieren begibt gemeinsam mit den Menschen alternative Wege offenlegt, dann werden diese Wege auch oftmals eingeschlagen. Kochen Sie ruhig etwas für Ihren Besuch, auch wenn es Ihren Ansichten widerspricht, und zeigen Sie zugleich die rohe oder vegane alternative auf. Wenn Sie ein schmackhaftes Menü zaubern und Ihre Entscheidung für diesen Weg sachlich und offen erklären, wird man Ihnen eventuell folgen; zum einen aus gesundheitlichen Gründen, zum anderen aber vielleicht auch, um – in den Worten von Jean Athelme Brillat-Savarin – neue Sterne im kulinarischen Universum des Schmeckens zu entdecken.

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